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Unknown Waters – part 9.5 (Fortsetzung)
by cara_la_mia (cara_la_mia)
at 2. September 2009 (22:14)

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Von: tg1978@rockspot.de                       
An: justfady@freemail.com       
Gesendet: 29 Dez 2008 11:07:53       
Betreff: vertrau mir

 

Gut zu wissen, dass du ’n bisschen schlafen konntest! Ich hab gestern auch noch ziemlich lang wach gelegen, aber irgendwann war ich dann zum Glück einfach weg. Wenn man ständig an nichts anderes mehr denkt, machts einen ja früher oder später wahnsinnig.

 

Im Moment bin ich schon froh, wenigstens auf diesem Weg was von dir zu hören. Denn anscheinend bist du ja nicht so dafür, dass ich einfach den nächsten Flieger nehme und zu dir komme – jedenfalls hast du kein Wort dazu gesagt. Naja, ich kann mir auch vorstellen, dass dir das im Moment vielleicht alles zuviel wird… deine Eltern kennen mich schließlich kaum und stehn bestimmt auch unter Strom wegen der ganzen Angelegenheit. Da ist so’n Blitzbesuch vielleicht mehr Stress als sonstwas. Aber sag mir das doch einfach, Fady, ich kanns schon verkraften! Klar wär ich jetzt am liebsten bei dir, aber ich bild mir auch nicht ein, dass ich durch meine bloße Anwesenheit alles rausreißen kann.

 

Deine Mail hab ich jetzt schon dreimal gelesen, und irgendwie ist das ja auch typisch: da frag ich dich, was ICH machen kann, und du denkst sofort drüber nach, was DU machen sollst! Trotzdem isses mir echt wichtig, dass du mit mir über sowas redest – also versteh das bitte nicht falsch. Mit Sicherheit ist das ’n guter Anfang. Und ich begreifs jetzt schon viel besser, warum du so reagierst wie du’s halt manchmal tust.

 

Du hast schon verdammt viel aushalten müssen, und letztlich hast du das alles aus eigener Kraft geschafft. Aber trotzdem: vielleicht solltest du öfter mal schreien, so wie damals. Wenn du wütend bist, wenn Leute dich enttäuschen oder einfach deine Grenzen nicht respektieren. Klar, so siehst du dich selber nicht, aber vielleicht verlangst du dir da auch zuviel ab. Du hast ja die meiste Zeit so ne Engelsgeduld, dass der Begriff extra für dich erfunden werden müsste, wenns ihn nicht schon geben würde. Aber wenns dir mal zuviel wird – zumindest MIR kannst du das sagen. Ich vertrag auch locker nen gezielten Tritt vors Schienbein.

 

Dabei fällt mir noch was ein: als wir uns letzten August das erste Mal wiedergesehen haben, hast du gemeint, ich sollte dich am besten anschreien und meine Enttäuschung und den ganzen Frust rauslassen. Tja, jetzt kriegste diesen Rat von mir zurück! Geht ja immer leichter, wenns einen selbst nicht betrifft.

 

Also mach was du willst: stell Forderungen, verlang was von mir, sag mir was dir nicht passt – nur zieh dich nicht zurück bevor ich überhaupt was mitgekriegt hab. Und ganz bestimmt musst du mich nicht vor sowas schützen, das willst du ja umgekehrt auch nicht! Deshalb muss ich dich jetzt auch was fragen, was du mich erst letztens gefragt hast. Wobei ich genau weiß, wie verdammt schwer sowas zu beantworten ist. Aber trotzdem: wovor fürchtest du dich eigentlich?

 

Das frag ich aber nicht, weil ich dich für schwach halte, im Gegenteil. Du BIST stark, Fady. Stärke hat ja nichts damit zu tun, dass man sich zupanzert und nichts und niemand mehr an sich ranlässt. Du lässt dir ganz viel total nahe gehen, da kann ich mir auch vorstellen, dass du manchmal einfach das Gefühl hast, du musst dich verkriechen. Weils dir irgendwann doch übern Kopf wächst. Bestimmt wärs besser, wenn du das mal etwas mehr ins Gleichgewicht kriegst (und das sag ausgerechnet ich…).

 

Übrigens war ich heute früh schon beim Arzt – aus dieser dämlichen Erkältung, die ich mir während der Tour eingefangen hab, ist wohl irgendwie ne Bronchitis geworden. Jedenfalls huste ich immer noch, und meine Mutter hat schon seit Tagen gedrängelt, dass ich mich untersuchen lassen soll. (Krieg jetzt ’n Medikament dafür.) Naja, wo ich schon mal da war, hab ich gleich so’n HIV-Test machen lassen. Unser Hausarzt hat auch ganz cool reagiert und mir keine Fragen gestellt, warum und wieso. Mit dem Ergebnis wirds ein paar Tage dauern, aber ich mach mir da keine Sorgen.

 

Ganz schön lang geworden, diese Mail, und hoffentlich nicht zuviel wirres Zeug. Ich denk halt ständig an dich. Werd jetzt doch mal nach Köln fahren, aber das dauert auch nur ne gute Stunde, dann bin ich wieder erreichbar. Mit Volker will ich heute auch noch mal reden, mal schauen was uns so einfällt, um diese BRAVO-Fuzzis platt zu machen!

 

Pass auf dich auf. Und vor allem denk dran, dass es außer mir noch ne Menge Leute gibt, denen du ganz viel bedeutest und die dich lieben. Wenn ich dir das elektronisch schicken könnte, würd dein Laptop mit Sicherheit zu glühen anfangen!
T.

 

P.S. Soll dir liebe Grüße von Mark ausrichten, der hat eben angerufen und war auch total auf der Palme deinetwegen.

 

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From: justfady@freemail.com  
To: tg1978@rockspot.de                          
Sent: Mon December 29, 2008 02:46 PM UTC +0200  
Subject: du wolltest das wissen

 

ich glaube ich muss jetzt dauernd mich entschuldigen bei dir. wirklich. Weil auf die eine seite ich wünsche mir so sehr, dass du kommst, und auf die andere ich fühle mich so impossible wie keiner das aushalten kann. Aber wenigens ich muss ehrlich dir das sagen. mit meine Eltern ich habe auch gar nicht viel geredet. nur erzählt, dass da eine hässliche article ist erschienen über mich.

 

warscheinlich die denken auch schon wie du ich bin eine zugeklemmte Auster.

 

also wenn es wird jetzt alles sehr emotional, you’ve only got yourself to blame!

 

weil du hast mir auch wirklich die schwirigste frage gestellt. bestimmt es wäre leichter für mich mal rauszulassen meine enttäuschung oder ärger, aber wenn es geht um meine Ängste… es ist deshalb so schwer zu sagen, weil oft ich spüre das gar nicht, nur bis dann der druck ganz hoch steigt. und überhaupt ich muss immer kämpfen gegen die angst. wenn es eine emotion gibt, die ich nicht WILL – nicht zeigen und nicht haben – dann diese!

 

jetzt das ist so wie rückwärts gehen und nicht hinkucken bis ich ganz dicht da dran bin, anders geht das nicht. schon so wie vor eine abgrund stehen, kannst du dir das vorstellen? aber zum schluss es ist wohl dieselbe abgrund, wo ich gestern schon reingefallen bin. then i’m nowhere and don’t know where i belong or what in the world i could do to change that. and why would anyone care? i have no idea. i look in the mirror and see nothing.

 

also ob ich jetzt denke an diese artikle oder an dich, es geht vielleicht immer zu denselben punkt zurück. was kann ich denn sein, was irgendwo passt? dabei in die vergangenen jahre ich habe wirklich da dran gearbeitet, also mich darstellen in eine art, dass die menschen schon sehen, was ich bin und etwas vorzeigen kann. aber ich bin auch nicht so naiv das zu verwechseln mit liebe, obwohl mein erfolg bei dsds eine ganz wichtige schritt war. nur diese leute die mögen eine Bild von mir, und alles was ich da rein gesteckt habe von mir ist jetzt durch so eine article doch wie in tausend splitters gegangen.

 

how do i fit the pieces back together? und was bleibt dann noch, wenn das nicht geht?

 

ich weiss ganz genau, was du dazu sagen wirst. und natürlich ich vertraue dir, aber das ist auch nicht so einfach. trotz die ganze zeit, das wir jetzt schon zusammen sind. weil an diesen punkt es ist doch wie ein Traum, den kann ich anfassen aber nicht verstehen. (auch diese gefühl, wenn etwas schön ist, dann bestimmt es kann doch nicht bleiben...)

 

Vielleicht mein grösste wunsch war immer, dass ich einmal einen Mensch finde – ausser meine eltern – der mich liebt ohne grund. einfach so. bei alle andere, ich weis immer, es gibt diese oder jene dinge an mir, die sie faszinirt oder mögen. meine aussehen, mein gesang oder wie ich verhalte mich in gewisse situations. aber bei dir das war anders von Anfang gleich und ich hab das nie verstanden.

 

also es war wirklich schon ein miracle, als ich konnte die erstenmal richtig fühlen: du liebst mich. diese momenten, die so mich berühren wie mit schmetterlingflügel. und deswegen ich habe ganz oft auch gedacht, ich muss vorsichtig sein, das nicht zerstören oder zu fest halten. lieber auch nicht gehen bis zu die letzten grenzen und rausfinden, ich hab vielleicht mich geirrt. Und nicht aufwachen von diesen traum.

 

that’s my deepest fear. besser ich kann das dir nicht erklären. i just hope it makes sense.

 

aber ich weiss auch das ist nicht immer fair zu dir, weil du kannst das alles nicht wissen, und was bei mir ist in so viele knoten verwirrt ist bei dir ganz klar und direkt.

 

Wenn du wieder zuhause bist in Köln, kannst du mal nach meine post sehen und vielleicht zu meine nachbar gehen wegen Luna? bestimmt die freut sich über ein besuch von dir. (Luna, bei die nachbarin weiss ich nicht ;-)

 

schreib mir wieder. i need you.
F.

 

p.s. ich habe auch so ein test gemacht schon vor meine abflug, also kann sein die ergebnis ist schon gekommen mit der post.

 

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Von: tg1978@rockspot.de                       
An: justfady@freemail.com       
Gesendet: 29 Dez 2008 16:35:11       
Betreff: durcheinander

 

Oh Mann, also wenn ich jetzt bloß durchn Laptop springen könnte, um direkt bei dir zu sein…!! Bin grad erst wieder in meiner Wohnung in Köln gelandet und dann gleich so’n Hammer… Ja, ich hab das alles wissen wollen und bin verdammt dankbar, dass du’s mir geschrieben hast. Aber meine Gedanken sind grad total am schlingern, und ich würd was dafür geben, wenn ich dich wenigstens mal kurz umarmen könnte. Bild mir halt immer noch ein, ich könnt dich besser erreichen, wenn ich dich auch anfassen kann. Nur hat das ja auch nicht immer so funktioniert, oder? Also muss ichs jetzt auf diesem Weg versuchen.

 

Fady, ich glaub schon dass ich dich auch jetzt gut aushalten könnte, selbst wenn du ne Scheißlaune hast und dich völlig daneben fühlst. Aber von mir aus sagt sich das auch leichter. Ich versteh schon, was du meinst. Und falls du deine Meinung noch änderst, gibt’s ja täglich ’n Flieger nach Beirut...

 

Mann, wo soll ich jetzt bloß anfangen?

 

Also erstmal, nur wegen diesem einen Artikel ist mit Sicherheit NICHTS total zu Bruch gegangen! Lies doch mal selber in deinem Forum, ich glaub dann wirst du mir Recht geben. So mächtig sind die Schmierblätter nun auch wieder nicht (zum Glück), dass sie den Leuten gleich alles zertrümmern können. Aber ich hab so das Gefühl, als würds für dich nicht wirklich was ändern, selbst wenn du jetzt ’n Berg Fanpost kriegen würdest von all den Leuten, die total hinter dir stehen. Klar, die haben ein Bild von dir, das sich nur teilweise mit all dem deckt was du bist. Aber weißt du’s wirklich so genau? Erinner dich mal, wie du mir damals noch bei DSDS gesagt hast, dass man in der Stimme auch die Seele hören kann. Ich glaub da ist echt was dran. Und selbst wenn das nur bei nem Bruchteil der Leute da draußen zutrifft, ist es trotzdem viel mehr als alles was du dir jetzt vorstellst.

 

Wenn ich so lese, was du zu diesem ganzen Thema schreibst, dann denk ich vor allem, was das für ein Mordsstress für dich sein muss. Also dieses Gefühl, du musst ein Bild von dir erzeugen, das andere dann mögen können. Oder sogar lieben. Mich würd das wahnsinnig machen und ich könnts auch nicht, aber mir is schon klar, dass es für dich so aussieht als hast du gar keine andere Wahl. Grad so’n liebenswerter Mensch wie du...

 

Dabei bin ich doch der lebende Gegenbeweis. Das hast du selbst geschrieben. Fady, im ersten Moment hab ich echt nicht gewusst, ob ich lachen oder heulen soll, ehrlich. Das kann doch nicht wahr sein, dass dich sonst nie jemand einfach so geliebt hat. Also wenns wirklich Liebe sein soll, dann ist das doch mehr als ’n Reizschema, wo man auf bestimmte Dinge abfährt! In jedem Fall kann man sich das nicht verdienen und ich hab schon das Gefühl, als wenn du sonst immer denkst, du musst dir das erarbeiten.

 

Aber ich muss dir glaub ich auch ’n paar Dinge sagen, die vielleicht ziemlich ernüchternd rüberkommen. Nur diese Geschichte mit dem Traum, aus dem du lieber nicht aufwachen willst, macht mir grad ziemlich zu schaffen... Einerseits bin ich total vom Hocker, dass ich sowas besonderes für dich bin, aber andererseits – tja, keine Ahnung, so besonders bin ich wirklich nicht, Fady, das meinst du nur. Und es gibt immer Gründe, warum man sich verliebt, auch wenn die einem nicht immer bewusst sind. Und Grenzen gibts in jeder Beziehung. Aber deswegen ist es doch nicht weniger wert und die Gefühle dabei nicht weniger echt. Kann nur hoffen, dass du verstehst, was ich damit meine.

 

Fady, ich lieb dich wirklich. Ich hab ziemlich lang gebraucht, bis ich dir das überhaupt sagen konnte. Und mir sind diese Worte immer noch ne Nummer zu klein und zu hohl für so’n Gefühl, das sich ständig ändert und entwickelt und das überhaupt so viel mit DIR zu tun hat – und du passt in diese Worte nun mal nicht rein. Ich weiß auch ganz genau, was du meinst mit diesen speziellen Momenten. Nur muss man die fliegen lassen, festhalten geht wirklich nicht. Sowas ist nun mal kein Dauerzustand und kanns nach meinem Verständnis auch nicht sein.

 

Aber du musst deswegen nicht vorsichtig sein und vor allem möcht ich nicht, dass das alles so... was weiß ich, so unberührbar besonders wird, dass du dich letztlich fürchten musst, du hast dich in mir getäuscht. Ich weiß doch überhaupt nicht, ob ich das bin, was du dir wünschst! Und vielleicht gibts ja Grenzen, die uns irgendwann echte Probleme machen – und dann ist der Traum mit Sicherheit geplatzt. Aber ich will einfach nicht, dass es dann vorbei ist!

 

Ich spür das oft ganz deutlich (wie jetzt auch in deiner Mail), dass es bei dir so’ne unendliche Sehnsucht gibt, die nie mal zur Ruhe kommt. Und dann wünsch ich mir nur, ich könnt dir genau das geben, was du brauchst. Bloß glaub ich letztlich nicht, dass ich das kann. Reicht es, dass ich mir das wünsche? Ich weiß es ehrlich nicht.

 

T.

 

P.S. Also von klar und direkt kann bei mir grad echt keine Rede sein (sonst wahrscheinlich auch nicht)! Aber ich mach mich nachher nochmal auf die Socken und schau nach deiner Wohnung und nach Luna. Werd dann ja sehen, ob sie sich wirklich freut...

 

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From: justfady@freemail.com  
To: tg1978@rockspot.de                          
Sent: Mon December 29, 2008 08:32 PM UTC +0200  
Subject: more than enough

 

Ich hatte gerade eine lange gespräch mit meine Eltern, das war sehr gut, aber leider deswegen es ist jetzt schon später als ich eigentlich dir schreiben wollte. trotzdem das hat ganz viele ruhe gebracht in meine gedanken.

 

auch wenn das jetzt klingt wie eine furchtbare hin und her, nach allen was ich vorhin geschrieben habe… aber gerade ich wäre so gern bei dir, dass richtig es schmerzt. Nur weil ich möchte dir zeigen, was du mir gibst das ist schon so viel! also niemals ich wollte diese impression dir geben als wie das nicht reicht.

 

Wirklich, ich glaube, ich war viel zu radical mit meine worte in diese mail heute nahmittag! aber vielleicht trotzdem es war gut das mal so aussprechen. weil man sieht dann auch klarer wo es wirklich nur ist eine angst, die alles auf den kopf stellt. und eins vor allem ist mir viel mehr klar als vorher – du hast das vor 2 tage schon geschrieben und jetzt wieder. Dass ich was verlangen soll und sagen vor allem, was ich WILL. und damit hast du total recht. weil sonst musst du doch immer dich fragen, ob ich noch andere wünsche habe an dich, und viel größere, von die du gar nicht weist!

 

also ich denke ich habe schon gut verstanden, was du meinst: dass ich deine Liebe soll so nehmen wie sie ist und nicht davon erwarten eine totale befreiung von alles. alle angst, alle schmerz und enttäuschung. Und wirklich, das ist eine hoffnung die man haben kann von Gott, aber nicht von ein andere Mensch!

 

Thomas, bitte glaub mir das: ich habe bei dir schon gefunden so unglaublich viel, das ich nie hatte gehofft! und natürlich du bist ein ganz besondere mensch – das weiss ich besser als du!! (weil du denkst das sowieso nicht von dir) deswegen das ist schon wie ein traum, nur ein lebendig gewordene. aber das heisst nicht, dass ich enttäuscht bin wenn du nicht alle wünschen mir erfüllen kannst oder wenn es schon auch grenzen gibt – auf beide seiten.

 

von dir ich habe auch bekommen ganz viel kraft für veränderung, und das ist die allerwichtigste vielleicht. vorher konnte ich das immer nur finden in der musik. Deswegen ich weiss auch genau, dass ich mich gar nicht täuschen kann in dir.

 

vorhin in diese gespräch mit meine Eltern, sie haben mir besonders eins gesagt, und das stimmt: dass ich durch diese ganze affair nicht mein vertrauen verlieren darf – zu mir selber, aber auch zu anderen. but more than anything: zu dir. (das haben sie nicht gesagt, aber ich seh das jetzt. Und ohne dich, ich hätte bestimmt es nicht geschafft heute schon mit meine Eltern über diese dinge alle zu reden.)

 

was ich dir geschrieben habe über diese bild, das ich immer abgeben muss von mir, das ist auch ein lack of trust. und vielleicht du hast ja recht und sogar es gibt leute, die kennen mich gar nicht privat und sehen trotzdem mehr als nur diese image. aber noch wichtiger ist was du sehen kannst und darauf vertrauen, auch wenn ich das nicht alles verstehe.

 

also jedenfalls ich habe schon ein bisschen perspective gewonnen und bin nicht mehr so geblindet von diese völlige panic. das war wie eine große alptraum, aber jetzt bin ich wieder wach. Nur was ich da machen kann wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, ich habe leider noch total kein Idee. (hast du mit Volker eigentlich noch telefonirt? was sagt der dazu?) und ganz ehrlich, ich möchte immer noch mich verstecken davor – aber gleichzeitig ich will auch wieder bei dir sein. Also das ist wirklich ein GANZ GROSSE sehnsucht!

 

na, ich hoffe diese mail ist jetzt für dich auch ein beruhigung. Und dass du weist: ich liebe dich ganz wie du bist und nicht eine traum die sowieso nicht wahr werden kann. wenn ich jetzt dich küssen könnte, du würdest bestimmt das auch fühlen!

F.

 

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Von: tg1978@rockspot.de                       
An: justfady@freemail.com       
Gesendet: 29 Dez 2008 21:00:22       
Betreff: ich hätte ne Idee…

 

Ehrlich, Fady: Beruhigung kann mans schon gar nicht mehr nennen, mir ist eben ein mordsmäßiger Stein vom Herzen gefallen. Wow. Bin auch wahnsinnig froh, dass du jetzt doch mit deinen Eltern geredet hast – die müssen ja gemerkt haben, dass es dir nicht gut geht und haben sich bestimmt irre Sorgen gemacht. Also wenn ich dazu irgendwas beigetragen hab, dann freut mich das sehr!

 

Und was das mit dem Vertrauen angeht, da kann ich denen nur absolut zustimmen. Ich weiß aber auch, dass das nun mal nicht leicht für dich ist. Nur sags mir halt wenns schwierig für dich wird, dann können wir auch zusammen dran arbeiten.

 

Jedenfalls ist bei mir jetzt ganz viel Druck weg... und der kam auch nicht nur davon, was du heute Nachmittag geschrieben hast, sondern hat sich wohl länger schon aufgebaut. Als ob ich für dich doch was sein müsste, was ich wahrscheinlich nicht hinkrieg. (Wobei das mit Sicherheit auch von mir selber kam – da kann ich mich gleich mal an die eigene Nase fassen, von wegen Vertrauen.)

 

Aber bevor ich mich wieder total verfranse, hab ich ’n paar ganz konkrete Dinge, mit denen ich wohl am besten anfangen sollte. Also erstmal: ich war vorhin noch in deiner Wohnung und nach Luna hab ich auch gesehen. Der gehts definitiv gut bei der Nachbarin, wobei ich sicher bin, dass sie dich trotzdem vermisst – sonst wär sie mir bestimmt nicht aufn Schoß gesprungen!

 

Jetzt aber das wichtigere. Ich hab nämlich nen konkreten Vorschlag, wie wir das hinbekommen, dass wir uns möglichst BALD sehen...

 

Anschließend bin ich nämlich noch bei Torsten vorbei und durch’n glücklichen Zufall – manchmal gibts sowas ja auch! – hatte der grad seinen Cousin Hannes zu Besuch. Hannes is schon vor Jahren nach Korfu ausgewandert, hat sich da einen alten Bauernhof gekauft und ne eigene Firma aufgebaut. Na, jedenfalls hat er tierisch davon geschwärmt und gemeint, ich soll doch irgendwann mal Urlaub bei ihm machen. Tja, und da dacht ich: warum nicht wir beide zusammen? Und warum eigentlich nicht sofort? (Morgen, übermorgen, mir is alles recht!) Dann sind wir erstmal aus der Schusslinie und können in Ruhe drüber nachdenken, wie’s nun weitergeht. (Hannes hat da eine Gästewohnung, also hätten wir auch ne Unterkunft, wo wir ganz für uns sind.) Also, was meinst du?? Müsste doch zu machen sein, dass du deinen Flug von Beirut umbuchst (oder sonst kümmer ich mich drum), und es wär für dich ja nur die halbe Strecke. Übrigens gibts da jede Menge Meer (und Berge auch), schließlich ist Korfu ne Insel. Soll auch viel wärmer sein als hier, und mir wär jetzt sehr nach ’n bisschen Sonne...

 

…aber vor allem nach DIR! Denk mal drüber nach, ja?

 

Also am besten schick ich diese Mail jetzt gleich los, kann dir nachher ja noch mehr schreiben. Auch was Volker so meint (immerhin ist er an der Sache dran und will was unternehmen – is schließlich auch in seinem Interesse!). Aber dann kannst du schon mal überlegen, ob dir nach’m Date auf Korfu ist.

 

Küssen könnten wir dann übrigens auch nachholen... Wobei, ich glaubs dir natürlich auch so! Im Ernst, Fady. Ich habs oft genug ganz direkt gespürt – so richtig wie ne Ladung geballtes Sonnenlicht. Dass du mich liebst. In letzter Zeit ist vielleicht öfter mal was durcheinandergeraten, war auch nicht ganz einfach, aber diese Momente hats immer gegeben, wo das absolut klar war. Und das trägt.

 

T.

 

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* * *

Thomas hatte sich grad ein Butterbrot in der Küche gemacht und war auf dem Rückweg zu seinem Laptop, als das Handy auf dem Tisch hin- und herruckelte. Prompt legte sein Herzschlag einen gewaltigen Sprint hin – schneller als er vom Fleck kam. Scheißegal, dass ihm das Brot dabei aus der Hand fiel und mit der belegten Seite auf dem Boden landete, so lange er nur die richtige Taste erwischte.

“Thomas!”

Das war wirklich Fadys Stimme, und für’n Moment presste er sich einfach nur das Handy ans Ohr.

“Thomas, bist du da?”

“Klar... bin ich da.” Thomas holte tief Luft. “Ich kann grad nur – irgendwie mein Glück nicht fassen.”

“Nur weil ich rufe dich an?” fragte Fady ungläubig.

“Brauch ich sonst noch ’n Grund?” Thomas legte den Kopf schräg. So wie Fadys Stimme jetzt klang – im Vergleich mit ihrem letzten Telefonat – war’s wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. “Und sag mal... haste meine Mail schon bekommen, die von eben?”

“Also weißt du, ich brauch da gar nicht nachdenken!” platzte Fady raus. “Außerdem ich war noch nie auf Korfu.”

“Heißt das –?”

“Ja, sicher es heißt das!” sagte Fady. “Zusammen mit dir abhauen, das ist wirklich die schönste, was ich mir jetzt vorstellen kann.”

Thomas musste sich erstmal setzen. War schon irgendwie bescheuert, aber wahrscheinlich schlug der Stress der letzten zwei Tage jetzt noch mal so richtig durch. “Wow,” murmelte er. “Also, dann... mail mir doch die Infos zu deinem Rückflug, und ich schau gleich mal, dass ich die passenden Flüge gebucht krieg.”

“Ich kann doch auch das machen! Außerdem du bist ja nicht so die richtige Internet-wizard...” Fady lachte tatsächlich, und ein paar Sekunden lang lauschte Thomas einfach nur diesem Klang hinterher. “Aber wenn du möchtest –”

“Nee, von mir aus kannste das gerne übernehmen,” antwortete Thomas verspätet. “Will ja nur hoffen, dass deine Eltern dann nicht sauer sind deswegen – sonst wärste ja noch über Silvester bei denen geblieben.”

“Nein, ganz bestimmt sie werden das verstehen! Vielleicht wenn ich morgen schon abfahre, das wäre ein bisschen früh, aber den Tag danach, das geht schon.” Fady machte eine Pause, und dann änderte sich sein Tonfall. “Thomas... bist du auch okay?”

“Na, was meinste denn? Mehr als okay, echt. Bin nur grad etwas von den Socken.” Thomas grinste und schüttelte den Kopf. Sein Puls hämmerte immer noch wie blöde. “Und du?”

Fady zögerte einen Moment. “Also jetzt... ich habe zum ersten Mal wieder ein Gefühl... wir können das schaffen und auch... ein Ausweg finden.” So stockend wie er das sagte, war der unheimliche Druck der letzten beiden Tage gleich wieder deutlich zu spüren “Aber vor allem... ich freu mich so wahnsinnig auf dich! Wirklich. Und dann ich kann auch wieder gut machen, dass ich habe dir so ein Schreck versetzt.”

“Musst du aber gar nicht.” Thomas legte den Kopf zurück und konnte dabei fühlen, wie sich die ganze Spannung vom Nacken her allmählich löste. “Komm einfach nur da hin, okay? So schnell wie möglich.”

“Ganz schnell,” sagte Fady leise. “Das ist eine Versprechen.”

Als er das Handy weggelegt hatte, klappte Thomas den Laptop zu und blieb einfach davor sitzen. Pause. Für ’ne Minute mal keine Probleme mehr im Kopf wälzen wie ’ne frische Ladung Zement. Stattdessen nur spüren, wie ’ne klammheimliche Vorfreude in ihm hochstieg, die nach und nach jeden Nerv erreichte. Auch wenn’s noch keine konkrete Lösung gab – direkt unter seinem Zwerchfell breitete sich jetzt so’n energiegeladenes Kribbeln aus und beschleunigte immer mehr. Wie kurz vorm Take-off auf der Startbahn.

* ~ * ~ *