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Unknown Waters – part 10.6 (Fortsetzung)
by cara_la_mia (cara_la_mia)
at 8. November 2009 (22:01)

Als Fady sich neben ihm aufstützte, konnte Thomas geradezu sehen, wie ihm eine Frage durch den Kopf schoss. Wie ihm der Atem stockte, noch bevor er einen Ton rausbringen konnte. Ungläubig schüttelte Fady den Kopf. “Ist das dein – aber... du musst nicht glauben – wirklich, ich kann auch –”

Ein abgerissener Satz nach dem anderen, bis Thomas über seine Wange streichelte. “Ich weiß schon, dass ich nix muss.” Seine eigene Stimme klang jetzt verdammt rau, und er schluckte trocken. “Aber – das is’ mein Ernst, Fady... ich will’s wirklich.”

Fady schloss für’n Moment die Augen, als müsste er’s sogar jetzt noch irgendwie verstecken, was er sich die ganze Zeit gewünscht hatte. Dabei konnte Thomas die Hochspannung genau spüren, unter der sein gesamter Körper stand. Und der geballte Zweifel in Fadys Blick war ihm auch nicht entgangen.

“Hör mal...” Thomas legte eine Hand um seinen Nacken. “Dass letztes Mal alles... so schiefgelaufen is’, hat doch nur an mir gelegen. Weil ich vor lauter Unsicherheit was erzwingen wollte. Und gleichzeitig hab ich so ’ne Panik gehabt, als ob da... werweißwas mit mir passieren würde. Aber wenn man sich nie auf was Unbekanntes einlässt, wird man auch nie rausfinden, ob –”

“Ja, aber...” unterbrach ihn Fady mit ’ner weit ausgreifenden Geste. Bestimmt war das noch nicht sein letztes aber gewesen. “...vielleicht es ist doch besser, wenn du lässt dir mehr Zeit, bis du mit diese Gedanken überhaupt –”

“Ich hab ja schon ’ne ganze Menge Zeit gehabt,” fiel ihm Thomas ins Wort. Und so wie Fady sich heute selbst überwunden hatte, würd’ er das doch wohl auch können...

Fady biss sich auf die Lippe. “Außerdem – zu Anfang, das tut immer auch weh, weil man ist das nicht gewöhnt.” Seine Stimme wurde immer leiser. “Egal wie vorsichtig ich da bin.”

“Is’ mir schon klar.” Thomas setzte alles dran, das ganz gelassen rauszubringen. “Oder meinste, ich bin so’n Waschlappen, dass ich das nicht aushalte?”

“Nein!” Fady packte seinen Kopf mit beiden Händen und lachte nervös. “Aber damit das gut wird, du musst auch richtig dich entspannen können.”

“Werd ich mit deiner Hilfe schon schaffen.” Thomas lehnte sich vor, um ihn sacht auf den Mund zu küssen. “Oder willste nicht mehr?”

“Doch!” brachte Fady mit einem echten Stoßseufzer raus. Er schloss die Augen. “Und wie...”

Thomas strich mit einer Hand an seinem Bauch nach unten, bis seine Fingerspitzen über Fadys Erektion streiften. Fady zitterte leicht unter seiner Berührung. “Hmm, ja, fühlt sich ganz so an...”

Klar, ihm flatterten auch die Nerven, aber das gehörte bei so ’ner neuen Erfahrung nun mal dazu. Und schließlich würden sie die gemeinsam machen. Ohne ein weiteres Wort ließ sich Fady in seine Arme fallen. Sein Herzschlag trommelte derart heftig, als hätte er grad ’n Rekordsprint hingelegt.

“Thomas...” Fadys Lippen berührten seine Schulter, und mehr als ’n Flüstern war nicht zu hören. “Ich habe gar nicht... jetzt sowas erwartet.”

“Ich auch nicht.” Thomas streichelte durch seine Haare, die im Nacken schon leicht verschwitzt waren. “Das kam halt so... über mich.”

Letztlich hatte er die wichtigsten Entscheidungen immer auf diese Art getroffen. Sich blindlings reinfallen lassen in solche Momente, wo mit einem Mal alles stimmte. Als Fady den Kopf hob, konnte Thomas allerdings sofort sehen, wie’s in ihm drunter und drüber ging. Lauter gemischte Gefühle, und keins gab die Richtung an. Irgendwo mittendrin lag der nackte Selbstzweifel.

“Was ist denn, wenn –” Fady brach ab und schluckte. “Ich möchte das auch... gut machen für dich.”

Diese Art Stress kannte Thomas immerhin aus eigener Erfahrung. “Setz dich mal bloß nicht unter Leistungsdruck,” sagte er leise. “Schließlich liegt’s doch an uns beiden, wie wir das hinkriegen.”

Allerdings würd’ er mit irgendwelchen Argumenten jetzt wohl nicht mehr weiterkommen. Also zog er Fady an sich, küsste die Anspannung aus seinen Mundwinkeln und ließ die Zunge leicht zwischen seine Lippen gleiten. Es dauerte zwar noch ’ne Sekunde, aber dann atmete Fady mit ’nem spürbaren Ruck aus und drängte sich in seine Arme. Erwiderte den Kuss so heftig, als hätte er grad ’n ersten Widerstand hinter sich gelassen. Thomas hielt ihn fest an sich gedrückt. Ein hektischer Puls am anderen, und dazwischen ’ne frei schwingende Erwartung. Auf dieses reine Körpergefühl war momentan am meisten Verlass – genauso wie auf Sonne und Wind, wenn man sich erstmal vom festen Boden abgestoßen hatte. Fadys Hände streichelten mit soviel Sehnsucht über seine Haut, dass Thomas ’ne ungeheure Wärme von innen raus durch die Brust flutete.

Nur allmählich löste sich Fady wieder von ihm und sah ihm stumm in die Augen. Brauchte wohl noch ’n Moment, um ganz sicher zu gehen. Aber dann drehte er sich zur Seite, um in die Nachttischschublade zu greifen, wo sie gestern schon alles Notwendige reingepackt hatten. Thomas sah ihm zu, wie er die kleine Tube aufschraubte und etwas Gleitgel zwischen seinen Fingern verrieb. Und dabei kam sein Puls schon leicht ins Schlingern. Er atmete langsam aus. Jetzt mach dich mal locker. Ob sein Vertrauen zu Fady wirklich weit genug reichte, würd’ er wohl erst noch rausfinden. Gab ja auch festsitzende Reflexe, die er selber gar nicht steuern konnte. Aber solche Grenzen musste man halt austesten, um drüber weg zu kommen.

Thomas ließ die Augen zufallen, holte tief Luft und wartete schon auf den inneren Widerspruch wie ’ne Kaltwetterfront. Aber dann spürte er Fadys Lippen auf seinen und überließ sich einem sanften Kuss, der so selbstverständlich folgte wie der nächste Atemzug. Der ihn genauso leicht dahin zurückbrachte, wo’s überhaupt keinen Grund für Stress und Unruhe gab, nur die vertraute, lebendige Wärme von Fadys Körper an seinem. Und das Kribbeln an seiner Haut, das sich überallhin ausdehnte. Bloß weil Fadys Hand jetzt ganz ruhig an der Innenseite seines Oberschenkels entlangstreifte.

Instinktiv griff Thomas nach seiner Schulter, zog ihn tiefer in diesen Kuss, der wie ’ne tragende Verbindung war. Und wenn’s ihm dabei etwas eng in der Brust wurde, hatte das nichts mit irgendwelchen Zweifeln zu tun. Nur mit ’ner längst überfälligen Entscheidung. Alles, wonach es ihn jetzt drängte, spielte sich zwischen seinem Herzschlag und dem elektrischen Geflimmer in seiner Beckengegend ab. Obwohl Fady ihn nur ganz sanft berührte, als er seine Finger allmählich tiefer gleiten ließ.

Thomas keuchte auf, ließ die Oberschenkel automatisch etwas weiter auseinanderrutschen. Da lagen lauter empfindliche Nerven dicht unter der Haut, und jeder einzelne feuerte aufgeheizte Signale ab. Kontrollieren konnte er seine Reaktionen jetzt eh nicht mehr. Die plötzliche Hochspannung, die den Muskel erstmal zusammenzog und dann abrupt so’n heftiges Prickeln freisetzte, dass sich alles ins Gegenteil verkehrte und Fady ganz mühelos mit einem Finger in ihn eindringen konnte. Wie ’ne heiße Welle pulste es Thomas durchs Becken, aber das unterdrückte Stöhnen zwischen ihren Lippen kam von Fady. Dabei tastete er sich so langsam vor, als wollte er Thomas jederzeit ’ne Gelegenheit geben, alles abzubrechen. Nur lösten diese vorsichtigen Berührungen einen Schauer nach dem anderen aus, bis Thomas nicht mehr warten konnte und sich ihm entgegenschob.

Diesmal wusste er ja schon, was passieren würde, wenn Fady den Punkt erreichte, an dem all die Spannungslinien zusammenliefen – aber Wissen war nun mal eins, und Fühlen ganz was anderes. Ein raues Stöhnen kam tief aus seiner Brust, weil es ihn gleich derart durchzuckte, als wär da ’ne ganze Lichtbatterie aufgeflammt, die ihm einen gleißenden Impuls durch den Leib jagte. Konnte man sich an so ’ne Intensität überhaupt gewöhnen? Er ließ den Kopf zurückfallen, schnappte nach Luft und presste gleichzeitig die Hüften vor – damit Fady gar nicht erst auf die Idee kam, jetzt ’n Gang runterzuschalten.

“Thomas...” murmelte Fady dicht an seinem Mund, und das klang exakt so aufgewühlt wie er selbst sich grad fühlte. Für ’ne Antwort fehlte ihm allerdings der Atem, und im Kopf bekam er ohnehin nichts vernünftiges mehr zusammen. Er schob einen Arm unter Fadys Nacken durch und schlang ihn um seinen Brustkorb, um möglichst viel von ihm zu spüren.

In einem leichten Takt bewegte Fady seine Hand vor und zurück, aber was für ’ne gewaltige Anspannung sich mittlerweile in seinem Körper drängte, konnte Thomas trotzdem fühlen. Wie’n Rückstau der heißen Druckwellen, die ihm durch den Unterleib rauschten und immer wieder atemlose Laute aus seiner Kehle holten.

Von Gewöhnung konnte auf absehbare Zeit bestimmt keine Rede sein, aber trotzdem wurde allmählich ein Rhythmus draus, der sich zwischen ihnen einspielte und Thomas immer direkter ins Blut ging. Der ihn einfach weitertrug. Auch dann noch, als Fady es nach ’ner Weile mit zwei Fingern versuchte und der Druck plötzlich unangenehm anstieg, weil sich die Muskeln unwillkürlich verkrampften. Bis unters Zwerchfell konnte Thomas das spüren. Er presste kurz die Zähne aufeinander und atmete dann so ruhig aus wie’s ging. Dass das alles nicht ohne den ein oder anderen Schmerzmoment abgehen konnte, wurde ihm jetzt erst ernsthaft klar – bloß war’s auch was völlig anderes als die Art von Schmerz, von dem man automatisch wegzuckte. Mehr wie’n hartnäckiger Widerstand, der alles mögliche freisetzen konnte. Im nächsten Moment merkte Thomas schon, wie sich bei ihm was lockerte. Und Fadys Atem löste sich so heftig, als hätte er nie im Leben damit gerechnet.

“Keine Sorge,” brachte Thomas halblaut raus. Drückte ohne die Augen zu öffnen die Handfläche zwischen Fadys Schulterblätter. Obwohl Fadys Herzschlag wie wild hämmerte, hatte das was beruhigendes. Fadys Lippen bewegten sich sacht an seinen, und letztlich war das so, als würden sie in ’ner Strömung abtauchen, die sie beide mitnahm. Immer weiter raus ins reine Fühlen, wo ein Spannungswirbel den anderen ablöste. Ein explosiver Druck staute sich zunehmend in seinem Becken, bis er’s kaum noch aushalten konnte. Aber mehr als alles andere war’s diese unglaubliche Nähe, die ihm total den Atem raubte.

“Ich liebe dich,” flüsterte Fady ihm ins Ohr und zog vorsichtig seine Hand zurück. “Nur so... jetzt schon, das ist wie... wie ich noch nie das gefühlt habe.”

Thomas musste erstmal schlucken, bevor er ’n Ton rausbekam. “Fady...” Er blinzelte und strich mit etwas zittrigen Fingern über Fadys Kinn und Wange. “Das... geht mir grad... genauso.” Allerdings brauchte er noch ’n Moment, um wieder sowas wie ’n Gefühl für Raum und Zeit zu bekommen. Inzwischen war’s deutlich dunkler geworden, aber die Unsicherheit in Fadys Blick konnte er trotzdem erkennen. “Nur... meinste nicht... das reicht jetzt mit der Vorbereitung? Weil – wenn du noch länger so weitermachst, kann ich für nix mehr garantieren.”

“Doch, ich glaube schon... das war genug.” Zögernd schob sich Fady von ihm weg, setzte sich auf und tastete wieder nach der Tube mit der Gleitcreme.

In jeder seiner Bewegungen lag ’ne höllische Anspannung – wobei Thomas das absolut nachfühlen konnte. Ihm selber kurvte grad soviel Nervosität durch den Leib, dass er sich aufgeladen fühlte wie’n Transformator. Aber das hatte jetzt nichts mehr mit irgendwelchen nebulösen Befürchtungen zu tun, diesem schattenhaften Druck, als könnt’ ihm was verloren gehen. Jetzt ging’s nur noch um ganz konkrete, greifbare Dinge... Dass er sich unglaublich blöd anstellen könnte und sich derart verkrampfte, dass sie letztlich beide nichts davon hatten. Oder dass Fady doch noch ’n Rückzieher machte, wenn er mitbekam, dass es vorübergehend schmerzhaft für ihn wurde.

Mit einigem Gefummel hatte Fady die Tube inzwischen aufgeschraubt. Der Verschluss glitt ihm aus den Fingern und fiel klackernd auf den Boden.

Entschlossen stützte Thomas sich hoch. “Komm, vielleicht sollt ich mal...” Automatisch wollte er in die offene Schublade greifen, in der unten noch die Kondome lagen. “Was iss’n mit –?”

“Na, eigentlich wir brauchen die nicht mehr.” Hastig fügte Fady hinzu: “Aber wenn – also, wenn das ist dir nicht angenehm so ohne, ich kann auch –”

“Nee, Quatsch!” stoppte ihn Thomas. “Ich bin doch froh, dass wir die Dinger jetzt weglassen können. Hatt ich nur grad ganz vergessen.”

Fady warf ihm einen flüchtigen Blick zu und presste die Lippen zusammen. Als gäb’s da noch ’ne Frage, für die er nicht die richtigen Worte fand.

“Alles in Ordnung?” Thomas schob sich etwas dichter an seine Seite.

“Vielleicht...” Fady legte die Tube wieder weg und berührte ihn am Unterarm. “Vielleicht es ist besser, wenn... wenn du legst dich auf dein Bauch...” Seine Finger zitterten spürbar. “Weil... ich kann nicht so tief dann gehen, und es tut ein weniger weh... wahrscheinlich.”

Thomas schüttelte den Kopf. Auch wenn das momentan noch blanke Theorie war: zu diesem Thema hatte er trotzdem ’ne klare Meinung. “’N ander Mal. Jetzt will ich dir schließlich in die Augen sehen.”

“Aber wir –” Fady atmete hörbar aus. “Wir müssen auch nicht bis zu Ende das machen.” Seine Stimme klang wieder etwas fester. “Also, wenn eine Punkt kommt, wo du merkst... es ist doch nicht richtig, wir hören einfach auf, okay?”

“Mach dir mal keine Gedanken deswegen,” sagte Thomas gleich. “Ich hab’s mittlerweile kapiert, dass es gar nichts bringt, mit’m Kopf durch die Wand zu gehen. Wenn ich... mit irgendwas nicht klarkomm, sag ich’s dir.” Auch wenn er sich dazu vielleicht selbst noch ’n Tritt verpassen musste. “Vertrau mir.”

“Und du auch mir.” Fady sah ihn mit seinen dunklen Augen so eindringlich an, dass es Thomas einen kleinen Schauer über die Brust jagte.

“Das tu ich, Fady.” Und das spürte er jetzt so hundertprozentig wie vielleicht nie zuvor.

Draußen war die Sonne schon fast untergegangen, aber hier drin schwebte so’n eigentümliches Dämmerlicht, das einen weichen Schimmer über Fadys Haut legte. Thomas streckte eine Hand aus, um mit den Fingerkuppen über seinen Oberarm zu streichen, an seiner Brust entlang bis zu den gespannten Bauchmuskeln. Von so ’nem perfekten Körper konnten die meisten Männer doch nur träumen. Zwangsläufig musste er allerdings dran denken, was ihm Fady in Paris erzählt hatte. Wie verdammt kompliziert es für ihn war, sich so richtig als Mann zu fühlen. Und vielleicht war’s ja genau das, was ihn jetzt noch verunsicherte.

“Was ist?” Fadys Stimme klang reichlich gepresst.

“Wenn ich dich jetzt so anseh...” Thomas zuckte unbeholfen mit den Schultern. “Mir is’ nur grad klar geworden – also, beim letzten Mal hab ich das machen wollen, weil ich dachte, das gehört halt dazu und dass ich... dir das auch schuldig bin.”

“Und jetzt nicht?”

“Jetzt will ich einfach nur dich...” sagte Thomas. So banal das wahrscheinlich klang, war’s doch die elementare Wahrheit. “Alles, was ich irgendwie kriegen kann.” Er griff nach Fadys Händen und hielt sie fest, bis das Zittern etwas nachließ. Musste unvermittelt grinsen. “Mann, wir sind beide die reinsten Nervenbündel, was? Wie kriegen andere Leute sowas eigentlich hin?”

“Ich habe kein Idee, nicht die wenigste!” sagte Fady mit einem Stoßseufzer, aber er lächelte dabei. Ein ganz wunderschönes Lächeln, das so aussah, als würd’s mitten aus dem stillsten Punkt in seiner Seele kommen. “Bestimmt ich war noch nie... so aufgeregt seit – seit die allererste Mal, oder noch mehr! Ich weiß schon gar nicht mehr, wie das geht so richtig...”

“Und ich hab ja eh keine Ahnung...” Thomas legte ihm eine Hand um den Nacken und lehnte sich vor, um ihn ganz leicht auf den Mund zu küssen. “Weißt du was?” murmelte er. “Wir machen jetzt einfach... erstmal alles falsch. Und wenn wir das dann hinter uns gebracht haben, machen wir’s nochmal richtig... okay?”

Fady lachte – und was jetzt in seinen Augen schimmerte, hatte nichts mehr mit irgendwelchen Zweifeln oder Befürchtungen zu tun. “Ich liebe dich. Also wirklich!”

Thomas küsste ihn sofort nochmal, länger und inniger. “Das musste mir jetzt aber gleich mal beweisen...”

“Ich tu mein Beste,” flüsterte Fady atemlos. Als Thomas dann nach der Gleitcreme greifen wollte, schüttelte er allerdings den Kopf. “Besser ich mach das selbst.”

“Mmm.” Thomas grinste, dieses spezielle Problem kannte er ja von sich selber. “Trotzdem schade...” Er ließ sich rückwärts aufs Kissen sacken und streckte sich so entspannt wie möglich aus. In seiner Magengrube ging’s so unruhig zu, als drehten da mehrere Mückenschwärme ihre Runden. Was davon Lampenfieber war und was die reine Aufregung ließ sich schon nicht mehr auseinanderhalten – aber am besten war’s wohl, gar nicht drüber nachzudenken. Als Fady sich ihm wieder zuwandte, griff Thomas nach seiner Hand und drückte ihm einen Kuss auf die Fingerspitzen. Sein Herz klopfte wie verrückt.

Behutsam stützte sich Fady mit einer Hand neben seiner Schulter ab. Obwohl sich sein Brustkorb hektisch hob und senkte, bewegte er sich völlig kontrolliert. Thomas zog instinktiv die Knie an, schließlich hatte ihm Fady oft genug vorgemacht, wie das am einfachsten ging. Langsam schob sich Fady weiter vor, über ihn, bis Thomas ihn hart und heiß zwischen seinen Beinen spüren konnte und im Sekundenbruchteil ’ne Gänsehaut am ganzen Körper hatte. Aber dann nahm der Druck immer mehr zu, schlug so plötzlich in Schmerz um, dass es ihm ’n knappen Protestlaut aus der Kehle trieb. Auf sowas konnte man sich nicht vorbereiten, das tat im Moment nun mal verflucht weh – und sein Körper reagierte mit ’nem blinden Abwehrinstinkt. Blockierte einfach.

Thomas biss die Zähne zusammen – bloß hatte Fady das natürlich sofort mitbekommen und zog sich wieder zurück. Er ließ den Kopf sinken. Oben an der Brust konnte Thomas seinen unruhigen Atem spüren. “Das... hört auch wieder auf bestimmt,” flüsterte Fady gepresst. “Wir können doch uns alle Zeit nehmen...”

Nur fühlte’s sich grad so an, als ob gar keine Zeit mehr verging, als wär alles erstarrt in einem einzigen Augenblick, genau zwischen Ebbe und Flut. Wo keine Richtung mehr klar war. Wie gelähmt starrte Thomas an die gekalkte Decke, wo sich zwischen lauter Schatten ’n gezackter Riss durch den Putz zog. Total verspannt lag er da, aber das kam rein vom Kopf her, weil er das selbst zu so ’ner riesigen Sache aufgebauscht hatte. Als müsste er mitten durch ’ne Betonwand durch. Er kniff die Augen zu. Und jetzt? So’n bisschen körperlicher Schmerz war doch kein Drama, mit dem man sich lang aufhalten musste.

“Thomas...” Mit der freien Hand strich Fady sanft über seine Bauchdecke.

Thomas schluckte krampfhaft und zwang sich dazu, ihn anzusehen. Fadys konzentrierter Blick hielt ihn fest, der einzig denkbare Fluchtpunkt.

“Das ist normal... wenn zu Anfang das nicht geht ganz leicht.” Sacht schob sich Fady wieder an den Punkt vor, wo Thomas ihn nur so eben spürte. “Jetzt... mach mal so, als wenn du willst mich wegschieben mit diese Muskel... dann es wird einfacher...”

Das klang zwar völlig unlogisch, aber Thomas reagierte ohne jedes Nachdenken und keuchte im nächsten Augenblick überrascht auf – weil Fady Recht hatte und jetzt plötzlich in ihm war, dabei ließ auch dieser bohrende Druck deutlich nach, und zum ersten Mal war’s vollkommen real. So überwältigend real, dass Thomas sich blindlings an Fadys Schultern festklammerte. Schmerzhaft war das immer noch, aber nicht nur, und in diesem Moment ging’s ohnehin um was anderes. Was jetzt passierte, sprengte kurzerhand ’ne Grenze weg, die immer nur in ihm drin gelegen hatte – wenn das kein gottverdammter Triumph war. Mit etwas Verspätung merkte er, wie Fady unsicher über sein Gesicht streichelte, und sah ihm in die Augen.

“Fady...” Er bekam kaum einen Ton raus, aber eins musste er unbedingt loswerden. “Na komm... mach weiter.”

Fady gab erst nur einen erstickten Laut von sich. “Aber... langsam... ohh...”

Durch seinen ganzen Körper lief ein Zittern, das Thomas überall spüren konnte. Jedes Mal, wenn Fady sich ein bisschen nach vorn schob, stieg der Druck und ebbte mit der nächsten Bewegung gleich wieder ab. Thomas ließ die Augen zufallen. Hin und wieder kam noch ’n unangenehmes Stechen, aber das konnte er locker aushalten. Und in diesem allmählichen Vor und Zurück löste sich ein immer heftigeres Kribbeln, das ihm schlingernde Leuchtspuren durch die Nerven zog, vom Becken aus die Wirbelsäule hoch und bis tief in den Bauch. Er lockerte seinen Griff um Fadys Schultern und merkte dabei, wieviel freier er inzwischen atmete.

“Is’ schon... okay jetzt,” murmelte er. “Du musst nicht... so vorsichtig sein.”

“Doch!” Fadys Keuchen spannte seinen ganzen Brustkorb. “Du weißt gar nicht – das ist so –”

Der Rest ging in ’nem einzigen explosiven Laut unter, als er die Hüften wieder nach vorn schob, und dieser plötzliche Druck gab ’ne Hitzewelle frei, die jeden Gedanken wegschwemmte. Für’n Moment kam Thomas alle Orientierung abhanden, er grub die Finger in Fadys Rücken und schnappte nach Luft. Sein eigener Herzschlag sprang ihm dumpf und hart gegen die Rippen, aber Fadys konnte er fast genauso deutlich spüren – dicht an seiner Haut und innerlich wie’n gedrängtes Echo – als ob sie beide ’ner einzigen Spur folgten, die immer kompakter wurde, immer klarer, bis sie alles ausfüllte.

Bis Fady eng an ihn gepresst war und Thomas ihn ganz in sich fühlen konnte – und dieser letzte Ruck jagte ihm einen solchen Schauer durch den Leib, dass er laut aufstöhnte. Mit Schmerz hatte das jetzt nichts mehr zu tun: was davon noch übrig war, hatte sich wie’n störrischer Schatten in den Hintergrund verzogen. Viel präsenter war das ruhelose Prickeln in seinem Becken. Dieses Gefühl von Weite in seiner Brust, wo sein Herzschlag langsam wieder zu ’nem klaren Takt fand, bis er so richtig begreifen konnte, was da gerade passierte. Und dass das Wichtigste daran für Fady letztlich so neu war wie für ihn selber.

Ohne sich ’n Millimeter zurückzuziehen, verlagerte Fady sein Gewicht ein bisschen und ließ den Kopf nach vorn fallen. Sein Atem kam in knappen Stößen, seine geöffneten Lippen berührten dabei Thomas’ Brust – ziellos und irgendwie unbeholfen fühlte sich das an, aber darin lag auch ’ne grenzenlose Zärtlichkeit. Mit beiden Händen strich Thomas über seinen Rücken, schob sich ihm vorsichtig entgegen und konnte genau spüren, wie schon die leichteste Bewegung Fadys Atem beschleunigte. Wie sich bei ihm selber ’ne allmähliche Lockerung einstellte, die alle Muskeln von den Oberschenkeln bis zum Zwerchfell entkrampfte. Er schlang seine Arme um Fadys Brustkorb und zog ihn dichter an sich.

Was da grad auf ihn einstürmte, ergab ’ne ganz eigentümliche Mischung, die sich erst noch einpegeln musste. Lauter ungewohnte Empfindungen zuckten ihm durch die Nerven, ein paar davon noch kribbelig und unbequem, während sich ringsrum und mittendrin die bloße Erregung ausdehnte – und das alles lag so offen, dass er kurz vorm Abdriften war. Ungesichert und ohne Richtung. Nur an Fadys Herzschlag konnte er sich noch halten, an die gedämpften, atemlosen Laute, die aus seiner Kehle drangen. Letztlich gab’s auch nur eins, was das alles zusammenhielt.

“Fady...” Thomas kam sein eigenes Keuchen dazwischen. “Ich lieb dich... ganz –” Fast im selben Moment senkte sich Fadys Mund auf seinen. Ganz und gar, ohne wenn und aber. Er öffnete sich diesem wilden Kuss genauso rückhaltlos. Wird Zeit, dass du’s genauso sicher weißt wie ich...

Aber selbst dieser Gedanke löste sich auf, als Fady sich in ihm bewegte und jeden einzelnen Nerv unter Strom setzte. Eine Hand hatte er unter Thomas’ Kopf geschoben, die andere umschloss jetzt seine Hüfte und drängte ihn vorwärts, in einen sanften Takt hinein. Instinktiv presste Thomas die Hüften nach oben, seine Muskeln spannten sich und brachten Fady zum Stöhnen, während ihm selber ein knapper Hitzschlag durch den Bauch schoss. Nur ’ne ganz leichte Reibung genügte schon – besonders an diesem einen Punkt, der hochelektrisch aufblitzte, als Fady sich ein Stück wegschob, um sofort wieder vorzudringen.

Thomas umklammerte seinen Nacken, nahm diesen impulsiven Rhythmus auf, aber dabei merkte er schon, wie die Anspannung in Fadys Muskeln sprunghaft stieg und an seiner Selbstbeherrschung zerrte. Seine Finger verknoteten sich in Thomas’ Haaren und seine Hüften zuckten unkontrolliert, stießen hart nach vorn. Rau stöhnte er in Thomas’ Mund, warf im nächsten Augenblick den Kopf zurück.

“Gott –Thomas – ich... kann nicht –”

Unwillkürlich bäumte sich Thomas mit ihm auf, spürte tief drin ein heftiges Pulsieren und wie sich der Druck noch mal steigerte, als Fady in ihm kam.

Hinterher zitterte Fady immer noch so heftig, als hätte ihn grad ein inneres Erdbeben überrollt. Benommen hielt ihn Thomas fest. Das war’s schon? Irgendwie konnte er’s noch kaum fassen, und das aufgeheizte Spannungsgefühl in seinem Becken verlangte dringend nach mehr. Aber gleichzeitig überschwemmte ihn auch ’ne derartige Erleichterung, dass ihm fast schwindlig wurde. So fühlte sich das wohl an, wenn man ’ne Sperre durchbrach, die einem die längste Zeit unüberwindlich vorgekommen war.

“Oh Gott,” murmelte Fady so leise, dass es zwischen seinen unregelmäßigen Atemzügen kaum zu verstehen war. Für’n Moment umklammerte er noch Thomas’ Schultern, aber dann schob er sich langsam rückwärts und ließ sich zur Seite rutschen. Thomas schluckte trocken. Dass sich das geradezu wie’n körperlicher Verlust anfühlen würde, hatte er überhaupt nicht erwartet.

“Hey...” Er drehte den Kopf zur Seite, aber inzwischen war’s so dunkel geworden, dass er Fadys Profil nur verschwommen erkennen konnte. Fady hatte die Stirn an seine Schulter sinken lassen. “Alles okay?”

Aber darauf bekam er erstmal keine Antwort.

 [...]